Vorgaben des EEG zur Inbetriebnahme von Photovoltaik

30. Juli 2020
Das Gesetz über erneuerbare Energien definiert den Begriff Inbetriebnahme einer Photovoltaikanlage nicht allzu präzise, daher ist vor allem bei größeren Anlagen immer etwas Interpretationsspielraum offen, wenn es um die Frage geht, zu welchem Zeitpunkt die Photovoltaikanlage in Betrieb genommen wurde. Das Datum der Inbetriebnahme spielt jedoch bei der Berechnung der Höhe der Förderung mitunter eine große Rolle.
Dieser Artikel wurde erstellt von:
Oliver Wulf, Redakteur www.Solaranlagen-Portal.com
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© Hendrik Schwartz - Fotolia.com

Für die Klärung von Streitfragen, die das Erneuerbare Energien Gesetz betreffen, ist die sogenannte Clearingstelle zuständig. Diese Stelle hat sich verschiedene Stellungnahmen und Meinungen von Verbänden und Juristen angehört und ein Papier veröffentlicht, das Erklärungen zur möglichen Auslegung des Paragrafen über den Zeitpunkt der Inbetriebnahme einer Photovoltaikanlage enthält. Seither ist ein wenig Licht ins Dunkel der Fragestellung gebracht und Planer von großen Photovoltaikanlagen orientieren sich an dieser Veröffentlichung der Clearingstelle.

Inbetriebnahmezeitpunkt ist wichtig für viele Fragen rund um Ihre Photovoltaikanlage

Die Inbetriebnahme ist ein wichtiger Schritt, denn von nun an produziert die Photovoltaikanlage Solarstrom. Der genaue Zeitpunkt ist relevant, denn der bestimmt laut EEG die für die nächsten 20 Jahre gültige Einspeisevergütung.

Technischer Zustand einer Photovoltaikanlage zur Inbetriebnahme

Eine Photovoltaikanlage gilt also als in Betrieb genommen, sobald die Anlage zum ersten Mal Strom erzeugt, der dann auch außerhalb der Anlage genutzt wird. Wenn also Solarstrom erzeugt wird, der nicht in eine Batterie oder ein elektrisches Gerät geleitet wird, sondern nur am Anschlusspunkt ankommt, erfüllt das nicht den Tatbestand einer Inbetriebnahme. Der Zeitpunkt der Inbetriebnahme einer Photovoltaikanlage wird also nicht über die Fertigstellung der Photovoltaikanlage durch den Solarteur definiert. Eine Anlage, die betriebsbereit ist, aber nirgends angeschlossen ist und nicht Strom irgendwo hin liefert, ist laut Erneuerbare Energien Gesetz also noch nicht in Betrieb genommen. Die Inbetriebnahme erfolgt mit der ersten Stromnutzung. Dabei muss diese Abnahme von Strom nicht über den Netzbetreiber erfolgen. Sie kann auch mittels einer Glühbirne erfolgen.

Nachweis der Inbetriebnahme

Wie kann man also den Zeitpunkt der Inbetriebnahme der Photovoltaikanlage beweisen? Es wird geraten, die erste Nutzung von erzeugtem Strom sorgfältig und mit Zeugen schriftlich und mittels Fotos zu dokumentieren. Ein Protokoll der Inbetriebnahme durch den Anlagenhersteller oder Anlagenbauer ist ebenfalls nützlich bei der Bestimmung und Belegung des Zeitpunktes der Inbetriebnahme der Photovoltaikanlage. Nach der offiziellen Inbetriebnahme muss die Photovoltaikanlage natürlich beim Netzbetreiber angemeldet und ein Einspeisevertrag geschlossen werden. Zudem muss die Photovoltaikanlage bei der Bundesnetzagentur angemeldet werden.

Übersicht: Inbetriebnahme der Photovoltaik Anlage festhalten

Notwendig / EmpfohlenNicht notwendig
PV Anlage produziert erstmals Strom, der konsumiert oder gespeichert wirdAnwesenheit Netzbetreiber
Wechselrichter ist installiertEinspeisung ins öffentliche Stromnetz
PV Anlage ist am Bestimmungsplatz installiertBeleg für jedes angeschlossene Modul
Nachweis durch Fotos und / oder Zeugen

Das Inbetriebnahmeprotokoll

Das Inbetriebnahmeprotokoll kann als Nachweis herangezogen werden, dass die Photovoltaikanlage Strom produziert. Es hat aber noch andere Aufgaben. Ohne Inbetriebnahmeprotokoll muss der Netzbetreiber keine Einspeisevergütung zahlen. Mit dem Inbetriebnahmeprotokoll – und zwar nur hiermit – kann der Betreiber nachweisen, dass die neue Photovoltaikanlage allen Normen und Vorschriften entspricht. Der Nachweis des ordnungsgemäßen Zustands der Photovoltaikanlage ist zudem für die Versicherung wichtig. Auch Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Hersteller können nur geltend gemacht werden, wenn eine fachgerechte Installation auch nachgewiesen werden kann. Die Feuerwehr kann im Brandfall sicherheitsrelevante Daten (zum Beispiel Lage der stromführenden Leitungen) dem Inbetriebnahmeprotokoll entnehmen. Mit der Angabe zur Anlagenleistung, Aufbau und und Globalstrahlung kann der Netzbetreiber eine Prognose über den erwarteten Stromertrag anstellen.

Inbetriebnahmeprotokoll ausfüllen

Mit dem Inbetriebnahmeprotokoll kann der Betreiber nachweisen, dass die Photovoltaikanlage allen Vorschriften und Regelungen entspricht. Das Inbetriebnahmeprotokoll muss in Anwesenheit des Betreibers der PV Anlage (oder eines bevollmächtigten Vertreters) vom Installateur erstellt werden. Ohne ein entsprechendes Inbetriebnahmeprotokoll ist eine Anmeldung nicht möglich und es wird keine Einspeisevergütung gezahlt.

Was steht im Inbetriebnahmeprotokoll?

Das Inbetriebnahmeprotokoll enthält eine große Vielzahl an Detailinformationen.

  • Angaben zum Betreiber
  • Standort der Anlage
  • Datum der Inbetriebnahme
  • Technische Details der Anlage (Leerlaufspannung, Kurschlussstrom, usw.)
  • Hersteller / Modell der Komponenten sowie Anzahl der Module
  • Angaben zur Montage wie Neigung und Ausrichtung der Mobule
  • Geschätzte Strahlungswerte (Globalstrahlung / Sonneneinstrahlung)
  • Überprüfung Einspeisezähler und Einspeisemanagement
  • Bestätigung der Anforderungen hinsichtlich Brandschutz / Feuersteuerbarkeit
  • Skizze mit Lage der stromführenden Leitungen / Erdungen / Überspannungsschutz

Beispielprotokolle

An einem voll und vorschriftsmäßig ausgefüllten Protokoll führt kein Weg vorbei. Solarteure nutzen meistens eigene Vordrucke oder Prokotolle der Netzbetreiber. Die Informationen sollten sich hier nicht unterscheiden. Um Ihnen Anschauungsmaterial liefern zu können, haben wir hier und hier zwei Beispielprotokolle für Sie verlinkt. Bei Fragen zur Inbetriebnahme sind wir natürlich gerne für Sie da.

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