Solarbaum – Photovoltaik in ihrer schönsten Form

Bäume sind gut fürs Klima. Das gilt nicht nur für die grünen CO2-Speicherer. Auch ihre künstlichen Verwandten leisten einen wichtigen Beitrag für die Umwelt: So sind die "Blätter" der Solarbäume zwar selten grün, der Strom, den sie erzeugen, jedoch schon. Wie ihre natürlichen Artgenossen gibt es sie an den verschiedensten Orten und in den verschiedensten Formen. Bisher ist ihr Lebensraum vor allem die Stadt. Dort dient der kunstvoll gestaltete Solarbaum in erster Linie als Symbol für die Möglichkeiten, die erneuerbare Energien bieten. Neueste Modelle aber bringen auch neue Anwendungsgebiete. So ist es nun möglich, den Solarbaum im Garten oder in der Landwirtschaft einzusetzen.
Dieser Artikel wurde von
Ariane Müller für www.Solaranlagen-Portal.com verfasst.
Jetzt Fachbetriebe für Ihr Projekt finden
  • Fachbetriebe vor Ort finden
  • Mit einer Anfrage bis zu 5 Angebote erhalten
  • Garantiert einfach, kostenlos und unverbindlich!

Was macht einen Solarbaum aus?

Ein Solarbaum ist in der Regel eine stählerne Konstruktion, bestehend aus einem Mast oder „Stamm", von dem aus weitere Träger (die „Äste“) abgehen, an denen sich mehrere Photovoltaik-Module (die „Blätter“) befinden. Was den Solarbaum von anderen PV-Anlagen unterscheidet, ist, dass bei ihm neben der Stromerzeugung auch die ästhetische Komponente eine wichtige Rolle spielt.

So sind viele Solarbäume wahre Kunstwerke. Sollen sie doch meist die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich ziehen. Prominent platziert und mit nützlichen Anwendungen ausgestattet, dient der Solarbaum in vielen Fällen dazu, die Vorteile der Solarenergie aufzuzeigen und das Interesse an der Technologie zu wecken. Rund um die Welt finden sich inzwischen Exemplare, die aufgestellt wurden, um die Nützlichkeit erneuerbarer Energien greifbarer zu machen.

Wie sich andere Länder Solarbäume zunutze machen

Der europaweit erste Solarbaum wurde bereits 1998 im österreichischen Gleisdorf errichtet. 17 Meter hoch und mit 140 Solarmodulen ausgestattet, leistet er 7 Kilowatt Peak, die zum Betrieb von 70 Straßenlaternen eingesetzt werden.

Schon seit 1998 bezieht Gleisdorf in Österreich erneuerbaren Strom aus einem Solarbaum. | Foto: © Anna Regelsberger (Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Im kanadischen London (Ontario) steht seit 2010 ein 7 Meter hoher Solarbaum. Mit seinen 27 Blättern liefert er 0,5 kWp Energie für das angeschlossene Tourismus-Zentrum.

Die israelische Firma Sologic entwickelte 2014 den eTree, der als Wlan-Hotspot, Ladestation für Handys und Tablets und Frischwasserquelle fungiert. Seine 7 kWp ermöglichen außerdem Video-Chats mit anderen eTrees und lassen den Solarbaum nachts erstrahlen. 2017 gelangte dann auch ein Exemplar nach Frankreich. In der Stadt Nevers kann man mit ihm zusätzlich noch E-Bikes laden.

Seit 2018 findet sich mit dem "Possibility Tree" auch im nigerianischen Lagos ein Solarbaum. Als einer der ersten seiner Art in Afrika soll er zeigen, was auf dem Kontinent in Bezug auf erneuerbare Energien möglich ist.

Das indische Institut CMERI in Durgapur entwickelte bereits mehrere Solarbäume. Ihr neuestes Modell aus dem Jahr 2020 gilt als bisher größtes Exemplar. Mit 35 Paneelen soll die Gewinnung von über 11,5 kWp Solarstrom möglich sein. Der Solarbaum wurde insbesondere auf die Bedürfnisse von Bauern zugeschnitten. Er wirft wenig Schatten, ermöglicht den Betrieb von Hochleistungspumpen und E-Traktoren und kann auch ans Stromnetz angeschlossen werden, um zusätzliche Einnahmen durch Einspeisung zu generieren.

Dies sind nur einige Beispiele, wie Städte und Unternehmen weltweit mit den auffälligen und vielseitig einsetzbaren Solarbäumen für den Nutzen von Photovoltaik-Anlagen werben.

Zuwachs für den deutschen Wald

Auch in Deutschland hat man bereits seit einiger Zeit deren Potenzial erkannt. 2002 wurde im sachsen-anhaltischen Kleinwulkow ein ganzer Solarwald aufgestellt. Jeder Baum weist eine Solarfläche von 45 Quadratmeter auf – montiert auf einem Traggerüst, das sich mit der Sonne dreht. So erbringt er eine Leistung von bis zu 6 kWp. Insgesamt können damit um die 45 Haushalte mit Strom versorgt werden.

Die Stadtwerke Osnabrück statteten 2011 ihren Parkplatz mit einem Solarbaum aus, der über eine Modulfläche von circa 69 Quadratmeter verfügt. Dies macht ihn nicht nur zu einem guten Schattenspender. Seine 4,3 kWp dienen auch zum Laden von E-Autos.

2015 konnten bei der Weltausstellung EXPO in Mailand im deutschen Pavillon drei Solarbäume bestaunt werden, die erstmals organische Photovoltaik (OVP) einsetzten. Die dabei verwendeten Polymerfolien sind nicht nur sehr absorbierend, sondern auch extrem dünn, was einen größeren Gestaltungsspielraum zulässt. Seit 2018 erleuchten die markanten Ausstellungsobjekte den Eingangsbereich der an der Entwicklung beteiligten Merck KGaA in Darmstadt.

Organische Solarfolien kommen auch bei dem Solarbaum, der 2021 im baden-württembergischen Löchgau errichtet wurde, zum Einsatz. Durch ihre grüne Farbe und eine Länge von 2,5 Meter verpassen sie diesem das Aussehen einer Palme. Genutzt wird der Solarbaum als E-Bike-Ladestation für drei Mehrfamilienhäuser. Benötigt gerade kein Fahrrad den nachhaltigen Strom, fließt dieser in die Tiefgarage, auf der der Solarbaum steht, und die umliegenden Außenanlagen.

Für wen lohnen sich Solarbäume?

Die Beispiele veranschaulichen sehr gut, dass Solarbäume nicht nur ein Hingucker, sondern auch vielseitig verwendbar sind. So können sie verschiedenen Zwecken dienen:

  • Städte und Gemeinden können durch die Errichtung von Solarbäumen eine Vorbildfunktion im Bereich Energiegewinnung einnehmen und zugleich eine Touristenattraktion schaffen.
  • Bildungseinrichtungen wie Schulen und Museen kann ein Solarbaum als Anschauungsmaterial dienen, um an Themen wie "Erneuerbare Energien" und "Zukunftstechnologien" heranführen.
  • Unternehmen, die Solarbäume spenden oder auf ihrem Firmengelände aufstellen, demonstrieren damit ihre Unterstützung der Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit.
  • Landwirte sparen durch den Einsatz von Solarbäumen nicht nur Stromkosten. Der von ihnen gespendete Schatten verringert auch die Verdunstung und sorgt für ein produktionssteigendes Mikroklima.
  • Hausbesitzer, deren Dach sich nicht für die Anbringung einer herkömmlichen Photovoltaik-Anlage eignet, können mit einem nur wenig Platz benötigenden Solarbaum im Garten oder am Gebäude Eigenstrom erzeugen.

Ein Solarbaum für den Garten

Einen Solarbaum eigens für den Eigenverbrauch von Hausbesitzer hat die Firma PentaSolar aus dem Saarland entwickelt. Während die meisten Solarbäume hochgewachsenen Laubbäumen oder Palmen nachempfunden sind, ähnelt ihr Modell eher einem mittelgroßen Tannenbaum. Gerade einmal 2,2 Meter hoch, ist er mit 5 dreieckigen, spitz nach oben zulaufenden Modulflächen ausgestattet.

Der Solarbaum von PentaSolar kann dank seines kegelförmigen Designs mehr Sonnenenergie aufnehmen als eine starr ausgerichtete PV-Anlage. | Foto: © PentaSolar

Durch diese 360°-Ausrichtung fängt der Solarbaum auch außerhalb der Mittagsstunden Sonnenenergie ein. So kommt es dem Verbrauchsverhalten sehr entgegen, auch in den Morgen- und Abendstunden Eigenstrom zur Verfügung zu haben. Und sogar im sonnenarmen Winter lässt sich eine Leistung von 0,25 kWp erreichen. Im Sommer werden bis zu 0,75 kWp erreicht.

PentaSolar zufolge kommt der Solarbaum auf durchschnittlich 400 kWh pro Jahr. Ein Vier-Personen-Haushalt kann durch ihn also rund 10 Prozent seiner Stromkosten einsparen. Das Unternehmen wirbt damit, dass sich die Kosten von 2.500 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer innerhalb von 10 Jahren amortisieren.

Wie Sie und Ihr Garten von einem Solarbaum profitieren

Der Photovoltaik-Ertrag des Solarbaums fällt somit geringer aus als bei einer Dachanlage. Doch gerade der Garten bietet das perfekte Anwendungsgebiet für die so zu gewinnende Menge an Eigenstrom. Dortige elektrische Geräte kommen ja insbesondere dann zum Einsatz, wenn die Energieausbeute am höchsten ist. Meist hält man sich schließlich tagsüber und während der warmen Monate im Garten auf – also genau zur Zeit der stärksten Sonneneinstrahlung.

Der Strom, den Ihnen Ihr Solarbaum dann zur Verfügung stellt, kann für den Betrieb kleinerer und größerer Gartengeräte eingesetzt werden:

  • Teichpumpe
  • Leuchten
  • Radio, Kaffeemaschine, Wasserkocher
  • Kühlschrank, Fernseher, Rasenmäher
  • E-Bike-Akkus
  • Heizung im Gartenhäuschen
  • Alarmanlage

Je mehr Sonnenenergie Ihr Solarbaum also einfangen kann, desto mehr Stromkosten sparen Sie beim Arbeiten und Entspannen im Garten. Daher sollten Sie ihn dort hinstellen, wo er möglichst lange den Sonnenstrahlen ausgesetzt ist. Gleichzeitig gilt es, bei der Photovoltaik-Anlage Verschattungen durch Sträucher, Bäume, Zaun oder Hauswand zu vermeiden. Wählen Sie als Aufstellungsort den Boden, geht Ihnen damit natürlich auch Fläche zum Gärtnern oder Spielen verloren.

Haben Sie also die Möglichkeit, den Solarbaum auf dem Dach Ihres Hauses, Carports oder einer Gartenhütte zu platzieren, profitieren Sie in mehrfacher Hinsicht: Weiter oben ist er weniger von Verschattung betroffen und schränkt Sie außerdem nicht in der Gartennutzung ein.

Solarbäume und die Förderfähigkeit nach EEG

Gebäudebezogene Förderung

Auch in Bezug auf das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und die darin festgesetzte Förderung von Photovoltaik-Anlagen ist der Aufstellungsort des Solarbaums von Bedeutung. So legt § 38c des EEG 2021 fest, dass es nur für solche Solaranlagen eine Einspeisevergütung gibt, "die auf, an oder in einem Gebäude oder an einer Lärmschutzwand errichtet werden sollen".

§ 37 schreibt weiterhin vor, dass es sich bei dem Gebäude um eine bauliche Anlage handeln muss, "die zu einem anderen Zweck als der Erzeugung von Strom aus solarer Strahlungsenergie errichtet worden ist". Wie das in Bezug auf Solarbäume auszulegen ist, war bereits in der Vergangenheit Gegenstand von Verfahren vor der Clearingstelle EEG. Diese machte dabei deutlich, dass die Vergütung darauf abzielt, für Photovoltaik eher bestehende Gebäude (dazu zählen u. a. auch Carports) zu nutzen als zusätzliche Flächen zu versiegeln.

So sollen Solaranlagen zu einem Gebäudebestandteil werden. Dafür müssen sie statisch von dem Gebäude getragen werden. Wird ein Solarbaum stattdessen im Boden verankert, schließt ihn dies von der Förderung aus. Auch darf das Gebäude nicht allein für die Solaranlage errichtet worden sein, sondern muss bereits vorher existiert haben und in erster Linie einem anderen Zweck dienen.

Vergütung für ausgewiesene Grundstücke

Das bedeutet nicht, dass Freiflächenanlagen generell von der Einspeisevergütung ausgeschlossen sind. Hier hängt die Förderung allerdings von der Art der Fläche ab. So gibt es die Vergütung nur, wenn es sich dabei um

  • Konversionsflächen wie ehemalige Militär-, Industrie-, Gewerbe-, Wohnungsbau- oder Verkehrsflächen,
  • versiegelte Flächen wie Parkplätze und ehemalige Deponiegelände,
  • Seitenrandstreifen von Autobahnen, Bundesstraßen und Schienenwegen mit einer Breite von 220 Metern,
  • unbebaute Gewerbe- und Industriegebiete
  • oder landwirtschaftliche Flächen – schwach ertragsfähiges Acker- und Grünland – in benachteiligten Gebieten (nicht in allen Bundesländern)

handelt.

Als Landwirt*in oder Unternehmer*in mit eigenem Firmenparkplatz würden Sie also bei der Aufstellung von Solarbäumen auch bei der Einspeisung profitieren. Platzieren Sie den Solarbaum dagegen im eigenen Garten, wird Ihnen der überschüssige Strom nicht vergütet. Doch wie bereits festgestellt, gibt es im Garten einige Geräte, für deren Betrieb Sie den Strom einfach selbst nutzen können.


Solarbäume stellen in jedem Fall eine Bereicherung dar. Sie versorgen uns mit grünem Strom und sind gleichzeitig was fürs Auge. Wenn Sie also über den Einsatz von erneuerbaren Energien nachdenken, Ihnen für herkömmliche Solaranlagen aber der Platz fehlt, könnte ein Solarbaum genau das Richtige für Sie sein. Hilfe beim Auswählen des perfekten Platzes und dem korrekten Anschließen können Sie sich bei einem auf Photovoltaik-Anlagen spezialisierten Fachbetrieb einholen.