Stromcloud: Solarstrom aus der Wolke

Betreiber einer Photovoltaikanlage sollten möglichst viel Solarstrom im eigenen Haushalt nutzen. Eine Eigenverbrauchsquote von 100 Prozent ist jedoch unrealistisch. Verschiedene Anbieter werben mit dem Begriff der „Stromcloud“ dafür, den Strom bei Ihnen zwischenzuspeichern. Was es mit diesem Stromkonto auf sich hat, welche Anbieter und Abrechnungsmodelle es gibt und wie wirtschaftlich so eine Stromcloud arbeitet, erfahren Sie in diesem Ratgeber.
Dieser Artikel wurde von
Thorben Frahm für www.Solaranlagen-Portal.com verfasst.
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PhotovoltaikWirtschaftlichkeit einer PhotovoltaikanlageStromcloud für Photovoltaik

Stromcloud: Tarife, Anbieter sowie Vor- und Nachteile

Inhaltsübersicht & Schnellnavigation:


Wolkige Aussichten - ab in die Stromcloud mit dem überschüssigen Strom? Foto: Sonnenschiff in Freiburg im Breisgau,© Gyula Gyukli, Adobe Stock

Wohin mit dem überschüssigen Solarstrom?

Wer mit seiner Photovoltaikanlage eigenen Strom erzeugt, spart Stromkosten ein. Sie können allerdings nicht rund um die Uhr so viel Strom erzeugen, wie Sie verbrauchen. Eine Photovoltaikanlage liefert Strom, wenn die Sonne scheint – also vor allem über die Mittagszeit und besonders in den sonnigen Monaten. Zu dieser Zeit entsteht in der Regel ein Solarstromüberschuss. Dieser Überschuss wird gegen eine Einspeisevergütung ins Stromnetz eingespeist. Das bringt jedoch deutlich weniger Rendite, als wenn man den Strom selbst verbraucht. Im Herbst, im Winter und generell in den Abendstunden wird hingegen kaum oder gar kein Strom produziert, jedoch eher viel Strom benötigt.

Um dieses Problem zu beheben und den zusätzlich benötigten Strom nicht aus dem öffentlichen Netz zu beziehen, haben Sie als Betreiber einer Photovoltaikanlage zwei Möglichkeiten:

  • Sie investieren in einen Stromspeicher, der den Solarstrom puffert. Diese Batteriespeicher verfügen nur über eine begrenzte Kapazität – einen Teil Ihres Stromverbrauchs müssen Sie dennoch zukaufen.
  • Sie speichern den überschüssig produzierten Solarstrom in einer so genannten Stromcloud.

Was ist eine Stromcloud?

Bei einer Stromcloud handelt es sich um eine Art Stromkonto, das sich vorwiegend an private Betreiber von Photovoltaikanlagen richtet. Eine Stromcloud funktioniert wie ein Cloudspeicher bei Computern. Geht es beim Cloud Computing darum, Dateien in der „Wolke“ zu speichern, dreht es bei einer Stromcloud darum, den überschüssig erzeugten Strom bei einem Anbieter zu „lagern“. Die Cloud ist hier jedoch das Stromnetz, in das der Solarstrom eingespeist wird.

Der eigene Strom wird nicht physisch in der Solarcloud gespeichert, sondern in das öffentliche Netz eingespeist und dort vermarktet. Es handelt sich also um ein virtuelles Stromkonto.

Wie funktioniert eine Stromcloud?

Der ins Stromnetz eingespeiste Solarstrom wird Ihnen auf dem Solarkonto gutgeschrieben. Erzeugt Ihre Anlage weniger Strom können Sie und andere Cloud-Mitglieder der jeweiligen „Cloud-Community“ auf die Stromcloud zugreifen und den Strom vom Anbieter beziehen. Diese „Abbuchung“ vom Solarkonto ist vertraglich geregelt.

In den meisten Fällen steht Ihnen als Cloud-Nutzer eine fixe "Freistrommenge" zur Verfügung. Im Idealfall können Sie Ihren gesamten Strombedarf durch Ihren Photovoltaikstrom sowie den Strom aus der Cloud abdecken. Benötigen Sie mehr Strom, beziehen Sie diesen in der Regel zum marktüblichen Strompreis.

Wer sind die bekanntesten Anbieter für Stromclouds?

Um Teil einer Cloud-Community zu werden, schließen Sie mit einem Anbieter einen Vertrag ab. Je nach Anbieter gelten dabei unterschiedliche Bedingungen:

  • Stromcloud ohne Batteriespeicher: Einige Anbieter bieten die Stromcloud unabhängig von einem Stromspeicher an.
  • Stromcloud als Speicherergänzung: Manche Anbieter setzen voraus, dass Sie eine Photovoltaikanlage mit Speicher betreiben und die Cloud nur als Ergänzung nutzen.
  • Stromcloud mit Stromspeicher: Sie können nur an der Stromcloud teilnehmen, wenn der Stromspeicher ebenfalls vom selben Cloud-Anbieter stammt.

Einige der bekanntesten Cloud-Anbieter:

Stromcloud-Anbieter

Stromcloud ohne Solarspeicher

Stromcloud als Speicherergänzung

Stromcloud & Speicher vom Anbieter

E.On SolarCloud

LichtBlick

polarstern

Redpoint® new energy

SENEC.Cloud

sonnenFlat

Welche verschiedenen Berechnungsmodelle gibt es bei Strom-Konten?

Je nach Anbieter wählen Sie zwischen verschiedenen Paketen. Die Berechnungsmodelle sehen dabei unterschiedlich aus:

  • Monatlicher Grundpreis: Sie zahlen einen monatlichen Festbetrag und können so viel Strom „abbuchen“, wie Sie eingespeist haben. Benötigen Sie mehr Strom, als Sie gespeichert haben, entstehen zusätzliche Kosten. Die Höhe des monatlichen Grundpreises hängt von Ihrem Energiebedarf, dem Eigenverbrauch, der Größe Ihrer Photovoltaikanlage und der Speicherkapazität Ihres Batteriespeichers ab.
  • Vergütung + monatlicher Grundpreis: Unabhängig vom Verhältnis aus Stromeinspeisung und Strombezug erhalten Sie für den eingespeisten Strom eine Vergütung und zahlen für den aus der Cloud bezogenen Strom eine monatliche Pauschale.
  • Stromflatrate: Als Cloudnutzer erhalten Sie für den eingespeisten Strom eine Freistrommenge entsprechend Ihres Strombedarfs. Nehmen Sie den Freistrom nicht im vollen Umfang in Anspruch, erhalten Sie eine Rückvergütung.

Achtung: Die Einspeisevergütung, die Sie nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz für die Einspeisung Ihres Solarstroms ins öffentliche Stromnetz erhalten, treten Sie bei den meisten Cloud-Anbietern an diesen ab.

Gut zu wissen: Einige Anbieter helfen dabei, die öffentlichen Stromnetze zu stabilisieren, indem sie Schwankungen im Netz mit Strom aus der Cloud ausgleichen. Als Cloud-Mitglied werden Sie am Gewinn des Stromverkaufs am Energiemarkt beteiligt.

Stromcloud Vergleich: Welches Abrechnungsmodell nutzen die großen Cloud-Anbieter am Markt?

Stromcloud-Anbieter

Monatliche Grundgebühr*

Freistrom

Variable Stromtarife für Strombezug

Vergütung für eingespeisten Strom

Gewinnbeteiligung am Stromverkauf

Besonderheiten

E.On SolarCloud

Ungenutzte Kilowattstunden werden gutgeschrieben.

LichtBlick

Trägt zur Stabilisierung des Stromnetzes bei.

polarstern dsfg

Strombedarf wird verbrauchsabhängig abgerechnet.

Redpoint® new energy


Best-Preis-Versprechen: Es wird immer der günstigste Cloud-Tarif berechnet.

SENEC.Cloud

Ungenutzte Kilowattstunden werden gutgeschrieben und rückerstattet.

sonnenFlat

Rückvergütung für ungenutzte Kilowattstunden.

* Es sind verschiedene Tarife möglich, die mit einem bestimmten Stromverbrauch/einer bestimmten Rückliefermenge verknüpft sind. Ist der durch die Grundgebühr abgegoltene Strom verbraucht, kann Strom zu variablen Stromtarifen hinzugebucht werden.

Lohnt es sich, die Photovoltaikanlage an eine Stromcloud anzuschließen?

Ob es sich in Ihrem persönlichen Fall rechnet, an einer Stromcloud teilzunehmen, hängt vom Kontext ab: Wie viel Strom erzeugt Ihre Photovoltaikanlage? Wie groß ist die Speicherkapazität Ihres Stromspeichers? Wie hoch ist Ihr Stromverbrauch? Wie viel Strom müssen Sie zukaufen?

Wichtig ist, dass Sie die Kosten abwägen: Bei der Teilnahme an einer Stromcloud ohne Speicher entfallen die Anschaffungskosten für einen Batteriespeicher ebenso wie spätere Wartungs- und Reparaturkosten. Auf der anderen Seite verzichten Sie aber auf die staatlich geregelte Einspeisevergütung – denn diese wird an den Cloud-Anbieter abgetreten. Hinzu kommt, dass die verschiedenen Berechnungs- und Vertragsmodelle aufgrund der unterschiedlichen Komponenten auf den ersten Blick kompliziert und wenig transparent wirken. Die Anbieter lassen sich dadurch nur schwer miteinander vergleichen.

Unser Fazit: Es ist ratsam, dass Sie sich als Betreiber einer Photovoltaikanlage genau informieren und sich einen Überblick verschaffen, welche Kosten auf Sie zukommen und wo Sie einsparen können. Machen Sie auf jeden Fall den Vergleich, ob die Teilnahme an einer Stromcloud in ihrem individuellen Fall günstiger ist als der Bezug des Reststroms über einen Ökostrom-Anbieter.

Vorteile und Nachteile von Photovoltaik-Clouds im Überblick

Vorteile von Stromclouds

Nachteile von Stromclouds

+ 100% Öko-Strom

+ saisonaler Ausgleich zwischen Stromproduktion und Stromverbrauch

+ Unabhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz

+ keine Anschaffungskosten bei Solarclouds ohne Batteriespeicher

– komplizierte Berechnungs- und Vertragsmodelle

– die Einspeisevergütung wird evtl. an den Cloud-Anbieter abgetreten

– die Steuerabwicklung der Photovoltaikanlage verkompliziert sich

– der Strompreis für den Zukauf nach der „Freistrommenge“ liegt häufig über dem normalen Strompreis

Falls Sie ein Mehrfamilienhaus besitzen oder dort zur Miete wohnen gibt es neben einer Stromcloud noch eine weitere Möglichkeit, Solarenergie zu nutzen: den Mieterstrom. Damit können Sie entweder den Strom gegen eine zusätzliche Förderung an die Mieter weiterverkaufen oder als Mieter einen im Vergleich zum Grundversorger preiswerteren Mieterstromtarif in Anspruch nehmen.

Stromcloud: Erfahrungen und Analysen

EuPD Research führte im September 2020 eine Befragung zur Stromcloud durch. Aus der Pressemitteilung zur Erhebung heißt es: "Gut ein Drittel der Befragten haben durchaus Interesse an einer Cloud- oder Community-Lösung. Allerdings spielen hohe Kosten, sowie die nicht erkennbaren Vorteile und die damit verbundene Intransparenz der Angebote eine entscheidende Rolle, warum die Endkunden ein solches Angebot aktuell noch nicht nutzen. [...] Auch in diesem Jahr wird deutlich, dass einige Angebote wenig transparent dargestellt und nur schwer verständlich aus Kundensicht sind. Hier ist noch Potenzial vorhanden für Verbesserungen in einem wachsenden Markt."

Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat Februar 2021 ein eher distanziertes Urteil gefällt: es gebe zwar einige Tarife, die zu einem Kostenvorteil bei Kunden führten, aber Stromclouds werden insgesamt noch als intransparent und schwer zu beurteilen bewertet. Zusätzlich solle besonderes Augenmerk darauf gerichtet werden, dass bei einer Bindung der Stromcloud an einen Speicher des Anbieters die Dimensionierung nicht zu groß ausfällt.

Weiterlesen zum Thema "Mieterstrom"

Erfahrungen & Fragen zum Thema Stromcloud

Erfahrungen mit der Stromcloud?

Ich plane den Bau einer PV Anlage und habe von der Stromcloud gehört. Daher meine Frage: Kann ich auch nur die Cloud buchen? Eine PV Anlage habe ich ja schon bzw. plane / kaufe ich gerade. Gibt es sonst Erfahrungen mit der Stromcloud?
Antwort von energie-konzept24 GbR

Die Firma Sonnen und Senec bieten die Cloud aktiv an.

Wenn Sie die Cloud nutzen möchten brauchen Sie den Speicher der jeweiligen Firma.

Von Sonnen würde ich generell abraten da die Firma darauf bedacht ist einen hohen Ajtienweet zu erreichen um beim
Börsengang ordentlich Kasse zu machen. Ich bezweifle nur ob das für die Kunden nachhaltig ist und ob die Garantiezeiten
eingehalten werden.

Wenn Sie sich unbedingt eine Cloud leisten möchten, nehmen Sie Senec.

Generell kann ich Ihnen nur raten genau zu rechnen!

Die Berechnungen die wir mit beiden Anbietern vollzogen haben waren negativ.

Ich habe bis jetzt keine Berechnung gesehen wo der Kunde einen Vorteil hatte.

Gerne erkläre ich Ihnen die List und Tücken, die Sie im normalen Angebot nur sehr schlecht erkennen.

Mein Rat - Batterrie etwas größer als Ihr Verbrauch und auf jedenfall größer als Ihre PV Anlage.

Beispiel : 5 KWp PV Anlage dann 8 oder 9 KW Speicher !

Elektrische Fußbodenheizung mit Stromcloud im Winter und PV im Sommer

Ich habe vor 20 Jahren in meinem EFH eine elktrische Fußbodenspeicherheizung eingebaut. Jetzt möchte ich eine PV- Anlage einbauen, um die Stromlast der Heizung auf die Sonne "abzuwälzen". Wäre da für mich nicht eine Stromcloud ohne eigenen Speicher sinnvoll, speziell für die kalte Jahreszeit? Im Sommer den Strom für die Heizung produzieren und im Winter kostenlos heizen, das wäre doch ideal. Verstehe ich das Prinzip der Stromcloud da richtig?
Antwort von Reutter Heiztechnik

Die PV Anlage hilft Ihnen direkt im Sommer Ihre Stromkosten zu reduzieren. Im Winter müssen Sie dazukaufen, wie bisher.
Als Alternative gibt es Speicher mit dazugehöriger Cloud, wie hier das Zusammenspiel ist, kann ich Ihnen gerne erklären.
Wenn Sie Interesse haben, kontaktieren Sie mich.

So autark wie möglich machen: wie geht das mit Photovoltaik?

Welche Alternativen gibt es den selber produzierten Strom so autark wie möglich ohne eine Stromcloud zu nutzen und auch keinen Strom gewinnbringend in öffentliche Stromnetz einzuspeisen?
Antwort von Energiepark Brandenburg

Ein sehr hoher Autarkiegrad kann auch ohne die Cloud erreicht werden. PV-Anlagen mit Speicher-Systemen liegen in der Regel um die 75% Autarkiegrad, abhängig von verschiedensten Faktoren. Er kann sogar höher oder auch niedriger ausfallen, immer abhängig von ihrem Lastprofil. Wir empfehlen PV-Anlagen ohne eine Cloud-Variante zu wählen um unabhängig von den jeweiligen Cloud Anbietern zu bleiben. Letztendlich geht es bei Cloud-Varianten immer um lange Vertrags-Laufzeiten mit den Anbietern. Die Einspeisung von überschüssigem Strom bleibt nicht aus. Niemand schafft es, allen erzeigten Strom selbst zu verbrauchen! Hier ist es wichtig die Anlagengröße gemäß ihrem Verbrauch zu konzipieren, wobei der zukünftige Strombedarf durch E-Mobilität oder Klima-Technik zukünftig weiter steigen wird. Photovoltaik-Anlagen sollten deshalb auch für die zukünftigen Verbraucher passend ausgelegt werden. Eine spätere Nachrüstung ist fast immer wirtschaftlicher Unsinn! Einmal geplant - sollte die Anlage für die Zukunft vorbereitet sein!

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