Ratgeber Balkonkraftwerk

7. April 2021
Eigenen Ökostrom produzieren und einen Beitrag zur Energiewende leisten – das geht auch ohne große Investitionen und Baumaßnahmen: mit einem Balkonkraftwerk. Bei den kompakten Balkonkraftwerken werden die Solarpanele einfach auf Balkon oder Terrasse aufgestellt, an die Steckdose angeschlossen und schon beginnt die eigene Stromproduktion. Doch wie genau funktioniert so eine Mini-Solaranlage? Was gilt es zu beachten und rechnet sich der Kauf einer PV-Balkonanlage?
Dieser Artikel wurde erstellt von:
Thorben Frahm, Redakteur www.Solaranlagen-Portal.com
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PhotovoltaikBauliche VoraussetzungenBalkonkraftwerk

Was ist ein Balkonkraftwerk?

Mit Balkonkraftwerken können Sie schon für vergleichsweise wenig Geld

  • eine eigene kleine Photovoltaikanlage betreiben,
  • Ihre Stromkosten senken,
  • ein Stück weit unabhängiger vom Energieversorger werden und
  • einen Beitrag für den Klimaschutz leisten.

© sandra zuerlein , Adobe Stock

Doch was genau verbirgt sich hinter diesen Mini-Solaranlagen? Bei Balkonkraftwerken, auch Plug-In-Balkonkraftwerke, PV-Balkonanlagen oder Stecker-Photovoltaik genannt, handelt es sich um Solarmodule mit Wechselrichter und Anschlusskabel, die auf dem Balkon, der Terrasse oder an einem anderen geeigneten Ort installiert und an eine Steckdose angeschlossen werden. Der kostenlose Solarstrom fließt über einen Wechselrichter und eine Steckdose ins Hausnetz des Betreibers und versorgt hier Kühlschrank, Fernseher und Co. mit Strom.

Inhaltsübersicht - Schnellnavigation:

Balkonkraftwerke bestehen aus folgenden Komponenten:

  • ein bis vier Solarmodule
  • ein integrierter Wechselrichter zur Umwandlung des erzeugten Gleichstroms in Wechselstrom
  • ein Montagegestell bzw. Befestigungssystem
  • eine Steckverbindung als Verbindung zur Steckdose (entweder haushaltsübliche Schutzkontaktsteckdose mit Schuko-Stecker oder – vor allem beim Betrieb mehrerer Solarmodule – eine Energiesteckdose mit einem Spezialstecker)
  • optional ein Speicher (Balkonkraftwerke mit Speicher sind vor allem dann ratsam, wenn tagsüber kaum Strom verbraucht wird)

Gut zu wissen: Der erzeugte Solarstrom dient dem Eigenbedarf / Eigenverbrauch. Je nach Strombedarf und Platz können Sie ein einzelnes Solarmodul verwenden oder mehrere zusammenschalten. Dadurch reduziert sich die Strommenge, die vom Energieversorger bezogen werden muss, deutlich.

Einsatzmöglichkeiten: Wo kann ich die Mini-Solaranlagen aufstellen?

Wie der Name schon erkennen lässt, steckt als Ursprungsidee die Montage auf dem Balkon oder am Balkongitter hinter den PV-Balkonkraftwerken. Aber auch andere Einsatzorte sind möglich, wie etwa

  • Terrasse
  • Hausfassade
  • Dach (Haus, Garage, Carport oder Schuppen)
  • Garten

Wie bei allen Solaranlagen empfiehlt sich die Ausrichtung nach Süden. Idealerweise wird das Solarpanel den ganzen Tag über weder durch Bäume noch durch Nachbarhäuser verschattet: Je mehr Sonnenstrahlung das Solarmodul „einfängt“, desto mehr Strom wird produziert.

Wichtig: Das Befestigungssystem muss auf den Einsatzort abgestimmt sein und den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen. Es gibt verschiedene Haltesysteme für Dächer, Fassaden, Brüstungen etc.

In welcher Dimensionierung, Ausführung und Abmessung gibt es Balkonkraftwerke?

Je nach persönlichem Bedarf bzw. Leistung des Moduls kann Ihr Balkonkraftwerk aus einem, zwei, drei oder vier rechteckigen, schwarzen Photovoltaikmodulen bestehen. Beim Einsatz mehrerer Panele werden diese miteinander verbunden.

Doch welche Dimensionierung ist die richtige? Die meisten Solarpanele haben eine Leistung von 300 Watt. Balkonkraftwerke sind in Deutschland nur bis 600 Watt (in der Regel also zwei Stück) genehmigungsfrei. Klar ist, dass Sie mit einem Balkonkraftwerk also niemals Ihren gesamten Strombedarf decken können.

Empfohlen wird folgende Leistungsgröße:

  • 1- oder 2-Personen-Haushalt: 250–400 Watt
  • 3- oder 4-Personen-Haushalt: 500–900 Watt (gegebenenfalls mit Genehmigung)

Eine mindestens ebenso wichtige Rolle wie die Leistung spielt bei der Kaufentscheidung die Größe der Panele, denn das Platzangebot auf Balkonen ist oftmals begrenzt. Die Größe der PV-Module variiert je nach Modell – einige sind länglich, andere fast quadratisch. Dadurch finden Sie für jeden Einsatzort die passende Mini-Solaranlage.

Zur Orientierung finden Sie in der folgenden Tabelle einige Balkonkraftwerke:

Hersteller

Modell

Leistung

Abmessungen

SunMan

SunMan L60Z

290 Watt

163,8cm x 99,5cm

bau-tech Solarenergie GmbH

Solax 600 Watt

600 Watt (2 Module à 300 Watt)

164 x 99 cm

EET

LightMate G

300 Watt

100 x 170 x 3,5 cm

Yuma

Balcony (580)

580 Watt (2 Module à 290 Watt)

163,8 x 99,5 x 3,5 cm

Kann der produzierte Strom gespeichert werden?

Der von der Photovoltaik-Balkonanlage erzeugte Strom fließt direkt ins Netz ein und wird dort sofort verbraucht. Dabei gilt das physikalische Gesetz, dass Strom immer den Weg des geringsten Widerstands nimmt. Da der Strom aus dem Solarpanel schneller an den Steckdosen im Haus ist als der Strom aus dem öffentlichen Stromnetz, wird folglich zuerst der kostenlos erzeugte Solarstrom genutzt.

Wie bei allen Solaranlagen wird vor allem dann Strom erzeugt, wenn die Sonne scheint – also tagsüber. Sind Sie tagsüber unterwegs, ist der Stromverbrauch oftmals überschaubar. Der Strom aus dem Balkonkraftwerk versorgt dann in der Regel alle Geräte, die dauerhaft im Betrieb bzw. im Stand-by-Modus sind, wie Ladegeräte, Router, Fernseher, Kühlschrank und Co. Damit überschüssiger Strom nicht ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird, kann ein Balkonkraftwerk mit Speicher ratsam sein. Dies erfordert allerdings zusätzliche Messeinrichtungen und einen erhöhten bürokratischen Aufwand. Hinzu kommen die Zusatzkosten für den Speicher.

Kosten-Check: Lohnt sich ein Balkonkraftwerk?

Eines vorneweg: Balkonkraftwerke arbeiten mit Sonnenenergie und leisten einen Beitrag für den Umweltschutz. Für das Klima macht sich der Kauf in jedem Fall bezahlt. Doch wie viel kostet die Mini-Photovoltaikanlage? Wie viel Stromkosten lassen sich mit ihr einsparen? Und wann amortisiert sich der Kauf?

  • Anschaffungskosten eines Balkonkraftwerks

Die Kosten für die Balkonkraftwerke variieren je nach Modell, Leistung und Montage. So gibt es bereits kleine, günstige Anlagen für circa 300 Euro, aber auch deutlich leistungsstärkere, größere für etwa 1.000 Euro.

Folgende Kostenpunkte müssen dabei berücksichtigt werden:

Produkt bzw. Kostenfaktor

Preis

Photovoltaikmodul inkl. Wechselrichter und Anschlusskabel

ca. 300–1.000 Euro

Befestigungssystem für Balkonkraftwerk

ca. 100–200 Euro

Optional: Montage Elektrofachkraft

ca. 200 Euro

Gesamtkosten

maximal 1.400 Euro

Gut zu wissen: Eine kleine Photovoltaik-Balkonanlage mit Schuko-Stecker können Sie problemlos selber installieren. Für leistungsstärkere Anlagen empfiehlt sich jedoch die Installation einer Spezial-Steckdose durch einen Fachbetrieb.

  • Einsparung der Stromkosten durch eine Mini-Solaranlage

Der Ertrag eines Balkonkraftwerks hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Größe des Panels
  • Leistung des Panels
  • geographische Lage
  • Standort/Ausrichtung

Von diesen Faktoren abhängig, produziert ein Balkonkraftwerk durchschnittlich zwischen 250 bis 300 Kilowattstunden pro Jahr. Eine Kilowattstunde Strom aus dem öffentlichen Netz kostet aktuell ca. 30 Cent. Sie sparen im Jahr also 75 bis 90 Euro Stromkosten ein. Ausgehend von einer Lebensdauer der PV-Module von 20 bis 25 Jahre, lassen sich so insgesamt 1.500 bis 2.250 Euro Stromkosten einsparen.

  • Amortisationszeit einer Stecker-Solaranlage

Wann sich der Kauf einer Mini-Solaranlage amortisiert, hängt natürlich mit den Anschaffungskosten und der Menge an erzeugtem PV-Strom zusammen. Günstige, ertragreiche Balkonkraftwerke amortisieren sich bereits nach wenigen Jahren, teure Anlagen, deren Standort ungünstig gewählt ist, brauchen deutlich länger.

Beispielrechnung: Frau Mustermann kauft sich ein Balkonkraftwerk für 500 Euro zzgl. 100 Montagematerial. Die Anlage erzeugt 280 kWh pro Jahr. Die Betreiberin spart bei einem Strompreis ihres Energieversorgers von 0,30 €/kWh also jedes Jahr 84 Euro. Folglich hat sich die Mini-Solaranlage bereits nach gut 7 Jahren amortisiert. Sie hält in der Regel aber noch weitere 13 bis 18 Jahre und erzeugt weiterhin kostenlosen Strom. Hinzu kommt, dass die Strompreise in den nächsten Jahren voraussichtlich steigen.

Gilt die Einspeisevergütung auch bei Balkonkraftwerken?

Grundsätzlich können Sie die Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz beantragen, sofern Sie mit Ihrem Solar-Gerät Strom ins öffentliche Stromnetz einspeisen. Es lohnt sich in der Regel jedoch nicht.

  • Der bürokratische Aufwand ist zu hoch.
  • Sie benötigen einen zusätzlichen Zähler. Das bedeutet weitere Kosten.
  • Die Einspeisevergütung fällt viel geringer aus als die Stromkostenersparnis, wenn Sie den Strom selber verbrauchen.

Die Idee hinter der Mini-Photovoltaikanlage ist, dass Sie den erzeugten Solarstrom selber verbrauchen und dadurch Stromkosten einsparen. Sollte doch einmal überschüssiger Strom ins Netz eingespeist werden, geschieht dies im Allgemeinen ohne eine EEG-Vergütung.

Welche Richtlinien müssen beachtet werden?

Auch wenn einige Energieversorger es nicht gerne sehen, so sind Balkonkraftwerke seit Inkrafttreten der DIN-Norm VDE 0100-551 offiziell in Häusern und Wohnungen erlaubt. Da der Strom für den Eigenverbrauch bestimmt ist, ist eine Genehmigung des Stromanbieters nicht notwendig. Ganz ohne einige rechtliche Vorgaben geht es dennoch nicht.

  • Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik: Ihre Solaranlage sowie die Montage derselbigen müssen den a.a.R.d.T. entsprechen.
  • Anmeldung beim Netzbetreiber: Sie brauchen zwar keine Genehmigung, aber Sie müssen Ihr Balkonkraftwerk bei Ihrem zuständigen Energieversorger anzeigen. In der Regel finden Sie Formular-Vordrucke auf der Internetseite Ihres Netzbetreibers. Hierin werden

a. Beginn des Betriebsdatums

b. Modell- und Seriennummer der Stecker-Solaranlage

c. alle Bestandteile des Balkonkraftwerks abgefragt.

  • Anmeldung bei der Bundesnetzagentur: Die Bundesnetzagentur müssen Sie ebenfalls über den Betrieb Ihrer Mini-PV-Anlage informieren.
  • Registrierung im Marktstammdatenregister: Falls Ihre PV-Balkonanlage eine Einheit im Sinne des Marktstammdatenregisters ist und Sie den Strom in das öffentliche Netz einspeisen, müssen Sie die Anlage im Marktstammdatenregister registrieren.
  • Beachtung der Leistungsgrenze: Balkonkraftwerke sind bis 600 Watt Anschlussleistung genehmigungsfrei. Erzeugt die Anlage mehr Leistung, benötigen Sie
  • eine Genehmigung
  • einen Zähler mit Rücklaufsperre
  • muss die Installation durch einen Elektro-Fachbetrieb erfolgen

Dürfen Mieter eine PV-Balkonanlage aufstellen?

Ein großer Vorteil ist, dass sich die Balkonkraftwerke nicht nur für Eigenheimbesitzer, sondern auch für Mieter eignen. Allerdings sollten Sie als Mieter im Vorwege immer die Zustimmung des Vermieters bzw. Hauseigentümers einholen. Vor allem, wenn es sich um Gemeinschaftsflächen, wie Fassaden oder Dächer, handelt, ist die Einwilligung Pflicht.

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