Solar-Carport – Photovoltaikstrom vom Garagendach

6. Juli 2021
Ein Solar-Carport ist nicht nur ein schützender Unterstand für Auto und Co., sondern zudem grüner Energielieferant und Solartankstelle. Doch was genau sind die Besonderheiten eines Carports mit Solardach? Was muss bei der Installation beachtet werden? Und wie wirtschaftlich ist so ein PV-Carport? Neben umfangreichen Informationen über Vorteile, Technik und Kosten verrät Ihnen dieser Ratgeber, was es bei einem Carport mit Photovoltaikanlage noch zu beachten gibt.
Dieser Artikel wurde von
Thorben Frahm für www.Solaranlagen-Portal.com verfasst.
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Was ist ein Solar-Carport?

Inhaltsangabe & Schnellnavigation:

Carports ersetzen inzwischen vielerorts die herkömmlichen Garagen. Diese Dächer auf vier Stelzen sind nicht nur günstiger und schneller aufgebaut, sondern sie wirken weniger massiv und klobig – gerade auf kleinen Grundstücken ist das ein großer Vorteil. Auch bei den Baugenehmigungen sind die Auflagen in den meisten Bundesländern nicht so streng wie bei gemauerten Garagen.

In erster Linie dient ein Carport Ihrem Auto als Schutz vor Witterungseinflüssen wie UV-Strahlung, Frost, Schnee und Hagel. Gerade im Hinblick auf den aktuellen Siegeszug der Elektromobilität haben Carports noch an Funktionalität gewonnen: Mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach wird aus dem gewöhnlichen Unterstand ein kleines Solarkraftwerk.

Foto: Marina Lohrbach © Adobe Stock

Solarcarports gibt es als Komplettpaket inkl. Carport plus PV-Anlage. Sie können bei entsprechender Statik aber auch ein bereits bestehendes Carportdach mit einer Photovoltaikanlage nachrüsten. Ob Nachrüstung oder fertiger Bausatz – mit einem Solar-Carport produzieren Sie Ihren eigenen Solarstrom. Diesen können Sie

  • ins Hausnetz einspeisen und im Haus nutzen,
  • mit einer Wallbox verbinden, um E-Auto oder Pedelec zu betanken und
  • überschüssigen Strom gegen eine Einspeisevergütung ins öffentliche Stromnetz einspeisen.

Gut zu wissen: Ein PV-Carport bietet sich immer dann an, wenn Ihr Hausdach aufgrund von Statik, Ausrichtung oder Dachneigung nicht für die Installation einer Photovoltaikanlage geeignet ist. Gerade auf größeren Grundstücken sind Sie mit der Planung eines Carports in der Regel flexibler und können den Standort so ausrichten, dass das Solardach effizient ausgenutzt werden kann.

Technik: Was sind die Besonderheiten bei einem Carport mit Solardach?

Die Nachfrage nach Solar-Carports ist in den letzten Jahren gestiegen. Dementsprechend breit gefächert zeigt sich das Angebot der Hersteller. So gibt es mittlerweile Komplettsysteme in verschiedenen Ausführungen:

  • Solarcarports mit einem Gestell aus Holz, Stahl, Aluminium oder Kunststoff
  • freistehende Solarcarports oder ans Haus montierte Carports
  • zu allen Seiten hin offene Carports oder Modelle mit bis zu drei geschlossenen Seiten
  • Solarcarports mit Flachdach (häufigste Variante), mit Satteldach oder mit Walmdach

Bei all diesen Carports wird die passende, auf die entsprechende Dachfläche zugeschnittene Solaranlage schon mitgeliefert. Sie haben bereits einen Carport? Zur Nachrüstung auf einen vorhandenen Unterstand gibt es einzelne Solarmodule plus Gestell zur Dachmontage zu kaufen.

Welcher Solarcarport ist der richtige für Sie? Oder können Sie Ihren alten Carport nutzen? Um diese Frage beantworten zu können, sollten Sie einige Aspekte beachten:

  • Dachausrichtung: Ist das Dach so ausgerichtet, dass es ausreichend Sonneneinstrahlung einfängt?
  • Standort: Ist der Standort so gewählt, dass er in der Sonne steht und nicht durch Bäume oder Häuser verschattet wird? Leben Sie in einer Region, die reich an Sonnenstunden ist?
  • Dachfläche: Ist die Dachfläche groß genug, dass sie ausreichend Platz für Solarmodule bietet und die PV-Anlage Ihren Eigenverbrauch weitestgehend decken kann?
  • Statik: Weist das Dach die nötige Traglast auf?
  • Dachneigung: Ist das Dach so geneigt, dass es möglichst viel Sonne abbekommt und so effizient genutzt werden kann?

Dimensionierung: Welche Leistung sollte die PV-Anlage haben?

Die Leistung Ihrer PV-Anlage hängt u.a. von der Größe der Dachfläche Ihres Carports ab und ist dementsprechend begrenzt.

Als Faustregel für Solaranlagen auf dem Dach gilt, dass die PV-Anlage so dimensioniert sein sollte, dass sie mindestens die Leistung Ihres jährlichen Stromverbrauchs aufweist; also sollte die PV-Anlage 1 Kilowatt Peak (kWp) Leistung pro 1.000 Kilowattstunden (kWh) Jahresstromverbrauch haben.

Das heißt: Wenn Sie mit Ihrer Familie einen durchschnittlichen Stromverbrauch von 4.000 kWh im Jahr haben, benötigen Sie eine Anlage mit einer Leistung von mindestens 4 (besser 5) kWp.

Für ein Kilowatt Peak kann man einen Platzbedarf von 5-10 Quadratmetern Modulfläche veranschlagen. Auf einem Solar Carport findet deswegen eine Photovoltaikanlage, wie sie auf Hausdächern üblich ist, nur selten Platz. Sie können davon ausgehen, dass ein Solar Carport pro Stellplatz meist eine Leistung von 2 bis 3 kWp aufweist.

Was kostet ein PV-Carport?

Faktoren wie Größe, Material, Leistung der PV-Anlage und Ausführung schlagen sich in den Kosten für den PV-Carport nieder. Außerdem spielt es eine Rolle, ob es sich um einen fertigen Bausatz, ein Komplettsystem inklusive Montage oder um einen Standard-Carport plus Photovoltaikanlage handelt. Die genannten Preise dienen deshalb zur Orientierung und bieten einen groben Kostenüberblick:

Solar-Carport

Solar-Carport Kosten

Carport ohne PV

je nach Größe und Material 1.000 bis 7.000 Euro

+ PV-Anlage

ca. 2.000 Euro pro kWp (eine 5 kWp-Anlage = ca. 10.000 Euro)

+ Wallbox

ca. 500 bis 1.000 Euro (Förderung möglich)

Komplettpaket Solar-Carport

je nach Größe und Material 7.000 bis 25.000 Euro

Komplettpaket Solar-Carport mit Ladestation

je nach Größe und Material ca. 8.000 bis 27.000 Euro

Gut zu wissen: Es gibt staatliche und regionale Fördermöglichkeiten für PV-Anlagen und Ladestationen, die das Investitionsbudget deutlich reduzieren. Wir empfehlen Ihnen, sich vorab über Fördermöglichkeiten in Ihrem Bundesland zu informieren.

Wirtschaftlichkeit: Lohnt sich ein Solar-Carport?

Die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage steht und fällt mit den Stromgestehungskosten, dem Haushaltsstrompreis und der Einspeisevergütung.

Eine Photovoltaikanlage erwirtschaftet ihre Rendite fast ausschließlich über den Eigenverbrauch des Solarstromes. Der selbstproduzierte Ökostrom ist mit circa 7 bis 12 Cent pro Kilowattstunde Stromgestehungskosten für eine Photovoltaikanlage auf einem Hausdach deutlich günstiger als der Netzstrom mit circa 30 Cent pro Kilowattstunde. Pro Kilowattstunde selbst verwendetem Strom, zum Beispiel für ein Elektroauto am Stellplatz, sparen Sie also zwischen 18 bis 23 Cent. Pro kWp Leistung können Sie im deutschlandweiten Schnitt von circa 1.000 kWh Ertrag ausgehen. Allerdings haben Solar Carports höhere Stromgestehungskosten als eine Dachanlage.

Strom, den Sie nicht direkt selbst verwenden, können Sie entweder in einem Stromspeicher zwischenspeichern oder gegen die Einspeisevergütung ins Stromnetz einspeisen. Die Einspeisevergütung liegt allerdings sehr nahe an den Stromgestehungskosten und ist für sich genommen nicht mehr ausreichend, damit eine Solaranlage wirtschaftlich betrieben werden kann.

Damit sich ein Solar-Carport rechnet und als wirtschaftlich erweist, sind deshalb einige Punkte wichtig:

1.Effizienz: Die PV-Anlage auf dem Carportdach muss möglichst viel Strom erzeugen und einen hohen Solarertrag erwirtschaften. Das kann sie nur, wenn Standort und Ausrichtung dies ermöglichen.

2.Eigenverbrauch: Die Einspeisevergütung ist mittlerweile sehr gering, deshalb lohnt es sich kaum noch, den erzeugten Solarstrom ins öffentliche Netz einzuspeisen. Das macht es umso wichtiger, dass Ihr Eigenverbrauch sehr hoch ist. Das bedeutet: Sie sollten möglichst viel des erzeugten Stroms selbst im eigenen Haushalt verbrauchen. Gute Möglichkeiten, um den Eigenverbrauch zu erhöhen, sind

  • ein Energiemanagementsystem zur intelligenten Steuerung Ihrer Haushaltsgeräte,
  • ein Solarstromspeicher für eine zeitversetzte Nutzung und
  • der Umstieg auf Elektromobilität und die Nutzung einer Wallbox.

3.Kosten: Die Amortisationszeit verlängert sich, je höher die Anschaffungskosten sind. Machen Sie deshalb den Preisvergleich und entscheiden Sie sich für ein hochwertiges, langlebiges Produkt, bei dem das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

4.Fördergelder: Nutzen Sie staatliche und regionale Förderprogramme für Photovoltaik und Ladestationen für Elektroautos, um so das Investitionsbudget zu senken.

Kann ein Solarspeicher an den PV-Carport angeschlossen werden?

Mit einem Solarstromspeicher erhöht sich der Eigenverbrauch wird deutlich. Auch Solarcarports können mit einem Solarspeicher kombiniert oder nachgerüstet werden. Bei einigen Komplettlösungen ist bereits eine Speicherlösung im Lieferumfang enthalten. Ein Solarspeicher bietet den Vorteil, dass die Solarenergie selbst dann noch genutzt werden kann, wenn gar keine Sonne scheint und folglich kein Solarstrom produziert wird.

Kann eine Wallbox für Elektroautos an den Solar-Carport angeschlossen werden?

Wenn Sie ebenfalls ein Elektroauto oder ein E-Bike besitzen, lohnt sich ein Solarcarport für Sie gleich nochmal. Denn: Sie können eine Wallbox, ein so genanntes Wandladegerät, an den PV-Carport anschließen und ihn so als Solartankstelle für Ihre E-Fahrzeuge nutzen. Der produzierte Solarstrom eines Solarcarports mit Ladestation kann also zum Laden Ihrer Elektro-Fahrzeuge verbraucht werden. Ein großer Vorteil: Ihr Eigenverbrauch wird damit deutlich erhöht. Ist in das System zusätzlich noch ein Solarstromspeicher integriert, können Sie Ihr Auto sogar nachts mit dem günstigen Solarstrom betanken. Viele Anbieter haben Solarcarports mit Ladestation als fertige Kombipakete im Angebot.

Benötigt man eine Baugenehmigung für einen Solar-Carport?

Ob Sie für den Bau Ihres Solar-Carports eine Baugenehmigung benötigen, hängt von den jeweiligen Bedingungen Ihres Bundeslandes ab. PV-Garagen bedürfen eigentlich immer eines genehmigten Bauantrages. Und auch die Errichtung eines PV-Carports ist meist genehmigungspflichtig. Allerdings sind die Auflagen weniger streng und nicht so umfangreich wie bei einer PV-Garage.

Vorschriften für den Brandschutz entfallen beispielsweise häufig bei offenen Carports mit Solardach. Steht bereits ein genehmigter Carport auf Ihrem Grundstück und Sie möchten ihn „nur“ um Solarmodule erweitern, so kann diese Nachrüstung unter Umständen genehmigungsfrei sein, wenn die Module direkt auf der Dachfläche aufliegen.

Unser Tipp: Informieren Sie sich vor Baubeginn bei Ihrem zuständigen Bauamt.

Weder Ihr Hausdach noch eine Garage oder ein Carport sind für eine Photovoltaikanlage geeignet? Es gibt noch weitere Möglichkeiten, eine eigene Solaranlage zu installieren – zum Beispiel mit einem Balkonkraftwerk. Eine weitere Möglichkeit ist der Bezug von Mieterstrom.

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