Mit Photovoltaik heizen?! Eine Bestandsaufnahme

9. November 2020
Was liegt näher, als Strom, den man auf dem eigenen Dach mit einer Photovoltaik Anlage erzeugt, auch zum Heizen zu verwenden? Zum Beispiel mit einer Elektroheizung. Der Strom wird ökologisch erzeugt und man könnte sich eine teure Zentralheizung sparen. Photovoltaik und Elektroheizung - das Traumduo?! Was verlockend klingt und bis vor kurzem noch wie Zukunftsmusik erschien, wird mit dem Aufkommen von Stromspeichern immer realistischer. Erste Projekte weisen bereits Weg, mit Photovoltaik heizen zu können.
Dieser Artikel wurde erstellt von:
Oliver Wulf, Redakteur www.Solaranlagen-Portal.com
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PhotovoltaikHeizen mit Photovoltaik

Photovoltaik & Elektroheizung: mit Photovoltaik heizen?! - Szenarien

Mit Photovoltaik heizen | Bildquelle: Vitramo GmbH

Das Wunschszenario: Photovoltaik auf dem Dach, das Haus mit einer Elektroheizung ausgestattet und den erzeugten Strom vom Tag bzw. aus den Sommermonaten zum heizen im Winter nutzen. Aber ist eine solche Photovoltaik Heizung realistisch? Unter Berücksichtigung verscheidener Einschränkungen ist es möglich autark mit Photovoltaik zu heizen:

Zum einen erzeugt eine Photovoltaik Anlage in der Heizperiode zwischen Oktober und April, wenn vorrangig mit einer Elektroheizung geheizt werden würde, nur rund 30% ihres Jahresertrages.

Zum zweiten erzeugt die Photovoltaik Anlage am Tag Strom, wenn meist niemand zu Hause ist. Geheizt wird mit der Elektroheizung jedoch meist in den Abendstunden. Ergo ist ein zusätzlicher Stromspeicher notwendig, um den erzeugten Solarstrom vom Tag am Abend nutzen zu können. Auf dem Gebiet der privaten Stromspeicher hat sich in den letzten Monaten viel getan, eine Reihe von Photovoltaik Speichern sind bereits auf dem Markt und werden seit Mai 2013 sogar durch ein KfW Programm mit attraktiven Zuschüssen gefördert. Zumindest diese Hürde, um mit Photovoltaik heizen zu können, scheint also genommen.

Drittes und wichtigsten Problem bleibt jedoch, dass die Energieeinspar-Verordnung (EnEV) sowie das Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz (EEWärmeG) es nicht zulassen, Bestandsgebäude mit normalem Dämmstandard ausschließlich mit Strom zu beheizen, wenn dieser zum Teil aus dem Netz bezogen werden muss.

Erste Praxisbeispiele, um mit Photovoltaik heizen zu können

Wohngebäude ausschließlich mit Photovoltaik und Elektroheizung zu beheizen ohne einen Stromspeicher, ist in der Praxis nur in Häusern zu realisieren, die heute neu gebaut werden nach Passivhaus-Standard (oder auf diesen Standard saniert werden). Der Heizwärmebedarf solcher Gebäude muss bei annähernd 25 bis 30 kWh/m2 und Jahr liegen. Neben einer kontrollierten Wohnraumlüftung wird der Restwärmebedarf des Hauses über eine Elektroheizung bedient.

Eine Firma, die heute bereits ein Konzept anbietet mit Photovoltaik heizen zu können (ohne Stromspeicher), ist der Infrarotheizungs-Hersteller Vitramo aus Tauberbischofsheim. Das Konzept: Die Einsparungen aus den günstigen Anschaffungskosten für die Elektroheizung werden in eine Photovoltaikanlage investiert. Diese wird, gemessen am Heizwärmebedarf des Hauses, doppelt so groß ausgelegt. Bei angenommenen 4.000 kWh Heizstrom im Jahr wird eine 8kWp Photovoltaik Anlage aufs Dach gebaut. Mit dem Ertrag lässt sich laut Rechenbeispiel rund 60% des Strombedarfs der Elektroheizung über die Photovoltaik Anlage decken (30% Jahresertrag von Oktober bis April x2, weil doppelt so groß ausgelegte Anlage). Die restlichen 40% Strom bezieht die Elektroheizung aus dem Netz. Hier finden Sie eine genaue Berechnung des Stromverbrauchs und -kosten.

Der Gedanke hinter diesem Konzept "mit Photovoltaik heizen" ist, den erzeugten Strom im Winterhalbjahr vollständig selbst zu verbrauchen mit der Elektroheizung, um eine möglichst hohe Eigenverbrauchsvergütung für den Strom zu bekommen. Als Elektroheizung kommen hierbei Infrarotheizungen zum Einsatz. Diese erwärmen nicht die Raumluft, sondern via Wärmestrahlung die Gebäudehülle und können aus diesem Grund durchgehend (auch am Tag) betrieben werden. Denn die Gebäudehülle fungiert im Gegensatz zur Raumluft als Wärmespeicher.

Aber auch hier versteckt sich am Ende wieder ein Haken, der nicht dem Konzept Photovoltaik & Elektroheizung anzulasten ist, sondern dem Gesetzgeber. Denn die Eigenverbrauchsvergütung wurde mit der EEG-Novelle im April 2012 gekippt. Da bei neu gebauten Photovoltaik Anlagen der Eigenverbrauch nicht mehr vergütet wird, muss die Wirtschaftlichkeit der Kombination Photovoltaik & Elektroheizung für Passivhäuser neu durchgerechnet werden. Einen ersten Eindruck liefert hierzu der Elektroheizungsrechner von unserem Partnerportal heizungsfinder.de.

Wenn Sie ein Passivhaus haben oder planen bzw. Ihr Eigenheim auf diesen Standard saniert haben oder die Möglichkeit in Erwägung ziehen, helfen wir Ihnen mit ein paar Angaben die passende Elektroheizung zu finden.

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Erfahrungen & Fragen zum Thema Elektroheizung Photovoltaik

Photovoltaikanlage zur Unterstützung einer Wärmewellenheizung sinnvoll?

Ich möchte eine Immobilie erwerben, die zur Zeit mit einem Kaminofen und einer elektrischen Wärmewellenheizung beheizt wird. Letztere schlägt pro Heizmonat etwa mit 400 € Stromkosten zu Buche, was ich gern reduzieren möchte. Ich frage mich nun ob es Sinn macht, bzw. wirtschaftlich ist, Solarmodule zu installieren, welche die Heizung unterstützen sollen? Die Heizung wird ja vor allem in den Monaten mit den wenigsten Sonnenstunden benötigt. Laut Solarrechner lohnt sich am Standort Solingen bei Westausrichtung und ca. 40-50 m² geeigneter Dachfläche die Installation von Solarzellen.
Antwort von Buderus Deutschland

Wie hoch ist denn der Wärmebedarf der Immobilie? Empfehlen würde ich eine Gas- oder Ölbrennwertheizung. Falls kein Gas oder Öl möglich ist, wäre auch eine Wärmepumpe oder Pelletheizung denkbar. Wie Sie schon richtig sagen, ist die kwh Strom am Teuersten und die Sonnenstunden im Winter sind zu gering.Den Kaminofen können Sie heizungsunterstützend im Objekt lassen.
Hier finden Sie den Heizsystemberater: https://www.buderus.de/de/heizsystemberater

Nachtspeicherheizungen mit PV unterstützen?

Mein Haus ist von 1966 und besteht aus 2 getrennten Wohnungen mit separaten Stromzählern. Ich habe noch Nachspeicherheizungen und zahle monatlich für beide Wohnungen mit Normalstrom € 420,00. Dach ist gedämmt und neue Fenster sind auch drin, so dass sich die Heizkosten schon gesenkt haben. Aber immer noch 420 monatlich. Meine Frage nun: Rechnet sich für mich eine Photovoltaikanlage, so dass ich autark bin und überhaupt nichts mehr an Stromkosten habe?? Wird das gefördert ? Muss ich die Heizungen austauschen ? Austausch der Elektrik wird dann wohl auch anfallen. Mit welchen Kosten muss ich ungefähr rechnen ?
Antwort von Ingenieurbüro für Bauplanung

mit ca. 19.000 kWh im Jahr brauchen Sie bereits recht wenig Heizenergie für zwei Wohnungen. Strom ist nun mal die teuerste Energie und deshalb kostet es, was es kostet. Mit Photovoltaik ist leider keine signifikante Entlastung möglich. Sie können aber ca. 3.500 € Heizkosten im Jahr einsparen: mit einer elektrischen Wärmepumpe zum Beispiel. Macht man das dezentral in jedem Raum, sind die Lüfter zu hören. ... oder zentral, dann müssten Lüftungskanäle installiert werden. Vielleicht geht das über den Dachboden. Alternativ kann das Heizungssystem auf Warmwasser umgestellt werden. Die wirtschaftlichste Lösung für Ihr Haus ist mit Sicherheit ein Paket aus Einzelmaßnahmen. Das muss ein Planer machen, der das Haus kennt.

Lohnt sich Photovoltaik bei Elektroheizung & Kamin?

Wir haben ein Einfamilienhaus rund 160 qm Wohnfläche, offenes Treppenhaus und eine Elektrospeicherheizung Leistung 15 Kw, Bj. 1985 sowie einen offenen Kamin, ohne Nachrüstverpflichtung lt. Bezirkschornsteinfeger. Der offene Kamin darf weiter betrieben werden. Der Verbrauch der E-Heizung (Zentralheizung) bei NT lag letztes Jahr bei 17300 kwh, HT-Verbrauch: null. Der Privatstromverbrauch lag letztes Jahr bei 2166 kwh bei 2 Personen im Haus. Wir erwägen eine PV-Anlage für den Privatstromverbrauch. Was empfehlen Sie uns als Leistung? Könnten wir die Anlage auch für die Heizung benutzen bzw. für den Winter den Strom speichern? Ist dies rechtlich möglich? An welche Kosten müssten wir dann insgesamt denken? Was empfehlen Sie uns als sinnvolle Lösung?
Antwort von intell-ect Schnell Handelshaus UG (haftungsbeschränkt)

Es gibt physikalische Stromspeicher und virtuelle Stromspeicher z.B. als Cloud-Lösung. Cloud-Lösungen sind allesamt Marketing - Quatsch und versprechen viel und halten nichts (recherchieren Sie mal im Internet...das rechnet sich alles nicht!).

Sinn macht wenn dann nur eine richtige Speicherbatterie zusammen mit einem speziellen Stromservice (z.B. FA. Sonnen unter www.sonnen.de). Darüber hinaus gibt es keinen Speicher, der Ihnen so große Mengen zwischenspeichern könnte, Sie müssten ja auch eine irrwitzig große PV-Anlage bauen um Strom in der Menge Ihres Heizbedarfs zu erzeugen.

Tipp in der Kürze: eine PV Anlage NUR für Ihren Haushaltsstrom wäre unwirtschaftlich. Die PV-Anlage amortisiert sich über die Einsparung an den Stromkosten zuzügl. Einspeisevergütung.

Ihr Einsparpotential an Stromkosten ist zu gering - das würde einfach zu lange dauern. Ihre Heizung hingegen ist das Problem. Sie zahlen ja im NT-Tarif vermutlich irgendeinen KWH-Preis von 16 - 18 Cent. In Summe ist das auch ein ganz schöner Betrag / Jahr - und das wird ja künftig NICHT weniger , sondern eher mehr. Denken Sie mal darüber nach die E-Speicher-Heizung zu erneuern - wenn Sie dabei auf keine typische Heizung (Gas/Pellets/Wärmepumpe etc..) aus Kostengründen umstellen wollen, sondern beim einfachen Strom heizen bleiben, sollten Sie mal über ein Infrarot-Panele- Konzept nachdenken. Aus dem Stehgreif würde ich behaupten, dass Sie den Strombedarf mindestens um 50 - 60% mit modernen Panelen reduzieren können. Da Sie dabei den NT-Tarif verlieren, sollten Sie dann, zusammen mit Ihrem Haushaltsstrom den gesamten Bedarf (ca 10.000 kwh) mit einer passenden PV-Anlage unterstützen - ggflls. zusammen mit einer Speicherbatterie optimieren. Da hätten Sie langfristig den größten Nutzen und Spareffekt und wären IHR eigener Stromlieferant. Wenn Sie mal vereinfacht hochrechnen, was Sie die jetzige Heizmethode in den nächsten 10 Jahren kosten würde (ca 25.000 Euro incl. Preissteigerung) dazu noch den Haushaltsstrom (ca. 6.000), dann rechnet sich eine Investition in moderne Panele (ca. 3-5000 Euro) und eine große PV-Anlage mit Speicherbatterie ( 15-25.000 Euro) allemal.

Melden Sie sich gerne bei mir.
mfG
H.F. Schnell
intell-ect

Elektroheizung zu teuer - mit PV unterstützen?

Ich habe im Jahre 1988 meinen Neubau einer Doppelhaushälfte unter den Gesichtspunkten niedrige Investitionskosten, Raumgewinnung, Wartungsfreiheit, Komfort durch Fußbodenheizung zum geringen Preis und annähernd gleichen Betriebskosten mich für eine Elektro-Nachtspeicher-Fußbodenheizung entschieden. Leider ist durch die Entwicklung auf dem Energiesektor der letzte Punkt etwas aus dem Ruder gelaufen. Ich zahle mittlerweile ca. 185,- € monatlich an Heizkosten bei ca. 135 m2 Wohnfläche. Vergleichspreise sind verhältnismäßig schwer zu bekommen und beinhalten meist auch nicht die Nebenkosten wie Wartung, Schornsteinfeger, Raumersparnis, Abschreibung etc., aber erhaltene Angaben gehen von ca. 150,- € bei einer Gas-Zentralheizung aus. Deshalb kam mir jetzt die Idee, meine Heizung als Speichermedium für eine Solaranlage auf dem Dach zu nutzen. Daher meine Frage : Ist so etwas technisch möglich, wer macht so etwas und was kostet das ? Am Wichtigsten ist aber Frage 1!
Antwort von Körfer Solartechnik

Das wäre Geldverschwendung, die PV Anlage macht hauptsächlich Strom, wenn man nicht heizen muß. Gasheizung wäre zwar günstig, aber auch nicht nachhaltig CO2 frei. Ich würde eine Pelletheizung installieren und trotzdem eine PV Anlage verwenden um den Haushaltsstrom im Sommerhalbjahr günstiger zu haben.

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