Photovoltaik » Balkonkraftwerk » Balkonkraftwerk oder PV-Anlage?

Balkonkraftwerk oder PV-Anlage: eine Frage des Strombedarfs

Auf immer mehr Dächern sind PV-Anlagen zu sehen – und auch Balkone zieren zunehmend einzelne Solarpanels. Scheint die Sonne drauf, produzieren beide fleißig Strom. Aber welche Variante ist besser, groß oder klein? Kleines Balkonkraftwerk oder eine große Photovoltaikanlage auf dem Dach? Es gibt bei dieser Frage viele Denkanstöße. Und die Antwort hängt auch oft einfach von den eigenen Möglichkeiten ab. Finde in diesem Artikel Gegenüberstellungen von Argumenten und Beispielrechnungen rund um die Frage "Balkonkraftwerk oder PV-Anlage?”. Weiterlesen
Gina Doormann
Gina Doormann
21 Jan. 2026

Solaranlage oder Balkonkraftwerk?

Balkonkraftwerk vs. PV-Anlage: der Schnellcheck
  • Du brauchst viel Strom und hast viel Platz: Dach-PV-Anlage!
  • Du wohnst in einer Wohnung: Balkonkraftwerk
  • Eigenes Haus aber kein Kapital: Mit Balkonkraftwerk starten!
  • Du wohnst zur Miete: Stecker-Solaranlage!
  • Dach-PV bringt zu wenig: Mit Balkonkraftwerk aufstocken!

Unser Tipp: Du möchtest beides? Das ist kein Problem – du kannst problemlos sowohl ein Balkonkraftwerk als auch eine PV-Anlage auf dem Dach betreiben.

Balkonkraftwerk mit zwei Modulen auf einem Carport-Dach

Ein Balkonkraftwerk schließt eine PV-Anlage nicht aus. | Bild: Gina Doormann

Inhalt

Balkonkraftwerk oder PV-Anlage: Überlegungen vorab

Du brauchst viel Strom und hast sogar ein E-Auto? Dann bist du mit einer großen PV-Anlage auf dem Dach gut beraten. Denn die macht mehrere tausend Kilowattstunden Strom im Jahr möglich.

Wenn dir die Investition von etwa 15.000 Euro für eine PV-Anlage aktuell zu viel ist, entscheidest du dich jetzt für das kostengünstige Balkonkraftwerk. Die Dachanlage geht später immer noch.

Ist dein Problem, zwar eine eigene PV-Anlage zu haben, deren Ertrag aber nicht ausreicht, dann nimm ein Balkonkraftwerk dazu! Das ist genehmigungsfrei, schnell installiert und sein Solarstrom wandert zusätzlich in deinen großen Stromtopf!

Wohnst du in einer Wohnung, ob als Eigentümer oder Mieter, ist das Balkonkraftwerk für dich die beste (und einzige) Wahl. Einfach an den Balkon hängen und jeden Tag an einigen hundert Watt erfreuen!

Tipp: Für Mieter gilt grundsätzlich, dass nicht mehr als ein Balkonkraftwerk mit 400 bis 800 Watt möglich ist.

So rentieren sich Balkonkraftwerk oder Photovoltaikanlage

Du investierst in eine PV-Anlage oder eine Mini-Solaranlage und willst wissen, wann das Geld wieder drin ist. Darum stellen wir im Folgenden die Kosten und Einnahmen einer Dach-Photovoltaikanlage und einer Stecker-Solaranlage gegenüber.

Beispielrechnung Mini-PV-Anlage

  • Das Balkonkraftwerk gehört einer vierköpfigen Familie im Einfamilienhaus. Ihr jährlicher Stromverbrauch beträgt 4.000 kWh. 
  • Sie nutzen eine Aufständerung für die Aufstellung ihres Balkonkraftwerks auf dem Carport*. Sie richten die zwei Module mit insgesamt 800 Watt Leistung nach Süd-West aus. 
  • Für Netzstrom zahlen sie 35 Cent pro Kilowattstunde.
  • Sie nutzen keinen Batteriespeicher.
  • Der Betrachtungszeitraum beträgt 20 Jahre.
  • Das Balkonkraftwerk erzeugt pro Jahr 749 kWh Strom. 
  • Der vermiedene Strombezug aus dem Netz beträgt 563 kWh.
  • Die jährliche Ersparnis beträgt 197 Euro.
  • Nach 3 Jahren haben sich die Anschaffungskosten von rund 400 Euro amortisiert.

Nach Ablauf von 20 Jahren macht die Familie mit ihrem Balkonkraftwerk 3.539 Euro Gewinn. Die Frage “Lohnt sich ein Balkonkraftwerk?” ist somit schnell beantwortet.

(Berechnung mit Stecker-Solar-Simulator der HTW Berlin)

☛ Jetzt ein Balkonkraftwerk kaufen!*

Beispielrechnung Photovoltaik-Anlage

  • Die vierköpfige Familie im Einfamilienhaus wählt eine PV-Anlage mit 10 Kilowattpeak (kWp) anstelle der Balkon-PV-Anlage.
  • Sie lässt dafür 22 Solarmodule auf dem Dach installieren. Weil sie auch einen Stromspeicher installiert, kann sie bis zu 70 Prozent des Solarstroms selbst verbrauchen.
  • Die Investitionskosten betragen 15.000 Euro.
  • Der jährliche Stromertrag sind rund 10.000 kWh.
  • Dank des Speichers deckt die Familie ihren Eigenbedarf von 4.000 kWh im Jahr durch die Anlage. Das bedeutet bei einem Strompreis von 30ct/kWh eine jährliche Ersparnis von 1.200 Euro.
  • Sie speist also jährlich rund 6.000 kWh Strom á 7 Cent ein. Das sind im Jahr 420 Euro Einspeisevergütung.
  • Die Familie spart in 20 Jahren 24.000 Euro an Kosten für Netzstrom ein.
  • Sie erhält in 20 Jahren eine gesamte Einspeisevergütung von 8.400 Euro.
  • Nach Ablauf von 20 Jahren macht die Familie mit ihrer PV-Anlage 17.400 Euro Gewinn. Die Photovoltaik-Kosten amortisieren sich also frühzeitig.

Nach Ablauf von 20 Jahren macht die Familie mit der Photovoltaikanlage etwa fünfmal so viel Gewinn wie mit dem Balkonkraftwerk. Das ist ein sehr guter Photovoltaik-Ertrag. Bei einem noch höheren Eigenverbrauch, etwa durch ein E-Auto oder eine Wärmepumpe, wäre die Einsparung an Netzstrom und damit der Gewinn noch höher.

☛ Jetzt PV-Anlage installieren lassen!

Berechne jetzt deine eigene Photovoltaik-Anlage

Photovoltaikanlage oder Mini-PV-Anlage: Vorteile und Nachteile

 PhotovoltaikanlageBalkonkraftwerk
Vorteile
  • mehr Leistung: “richtige Anlage” deckt Großteil des Strombedarfs
  • Vergütung für eingespeisten Strom
  • leistet größeren Beitrag zur Energiewende
  • senkt Stromrechnung deutlicher als ein Balkonkraftwerk
  • höherer Ertrag nach 20 Jahren
  • verschiedene Fördermöglichkeiten

 

  • keine Dachfläche notwendig, flexibel aufstellbar
  • kleinerer Flächenverbrauch
  • auch von Mietern nutzbar
  • einfache Demontage: praktisch für Umzüge
  • keine baulichen Maßnahmen nötig
  • Aufbau ohne Handwerker, einfach mit Schuko-Stecker
  • genehmigungsfrei
  • sehr einfacher Kauf, z. B. Online-Bestellung
  • geringe Kosten von wenigen hundert Euro
  • verschiedene Fördermöglichkeiten
Nachteile
  • höhere Anschaffungskosten
  • genehmigungspflichtig
  • vorwiegend Dachinstallation möglich
  • Elektriker für Installation und Inbetriebnahme notwendig
  • höherer Platzbedarf
  • nicht für Mieter geeignet
  • geringer Stromertrag
  • geringes Einsparpotenzial an Netzstrom
  • keine Einspeisevergütung
  • geringerer Gewinn nach 20 Jahren

 

Balkonkraftwerk als solarer Schnupperkurs?

Wir haben uns gefragt, ob Solar-Enthusiasten mit Eigenheim die eigene Stromgewinnung erst mit einem Balkonkraftwerk testen, bevor die große PV-Anlage aufs Dach kommt. 

Dafür haben wir mehr als 1.200 Dachanlagen-Interessierte gefragt, ob sie schon ein Balkonkraftwerk betreiben. 

  • Die Antwort war eindeutig: Nur rund 5 Prozent von ihnen haben schon eins.

Somit kann man keineswegs sagen, dass das Balkonkraftwerk eine "solare Einstiegsdroge" ist.

Balkonkraftwerk oder kleine PV-Anlage: Antworten so individuell wie deine Ansprüche

Wenn du nun vor der Frage stehst, ob Balkonkraftwerk oder PV-Anlage, solltest du folgende Aspekte bedenken:

  • Planst du die Anschaffung von einem E-Auto? Dann ist eine große Photovoltaikanlage sinnvoll für dich. Denn dein Stromverbrauch ist hoch und wird eventuell noch steigen. Diesen Ansprüchen können nur große PV-Anlagen gerecht werden. 
  • Wenn du neugierig bist und erst einmal in das Solarthema hineinschnuppern möchtest, sind Stecker-Solaranlagen interessant für dich.
  • Du beobachtest den Energiemarkt kritisch und willst dich gegen schwankende Energiepreise absichern. Dann fällt deine Wahl auf eine Photovoltaikanlage mit möglichst viel Leistung. 
  • Di bist Mieter und willst trotzdem eigenen Solarstrom gewinnen: Dann sind Balkonkraftwerke für dich eine gute Möglichkeit.
  • Wenn dir Flexibilität wichtig ist und du vielleicht noch einmal umziehen möchtest, sind Mini-Solaranlagen richtig für dich. Die Installation ist einfach und du nimmst das Balkonkraftwerk einfach mit.
  • Bei dir steht ein Heizungsaustausch an und du wirst künftig mit einer Wärmepumpe heizen. Dann belegst du am besten deine gesamte Dachfläche mit Photovoltaik-Modulen. Die große Solaranlage übernimmt dann viel des Strombedarfs der Wärmepumpe. Photovoltaik mit Wärmepumpe ist ein richtig gutes Team. 
  • Du möchtest Geld für deinen überschüssigen Strom bekommen, den du ins Stromnetz einspeist? Dann wählst du eine große PV-Anlage. Hier ist die Einspeisevergütung vorgesehen. Bei Mini-PV-Anlagen ist das zum einen nicht der Fall und zum anderen wäre die einzuspeisende Strommenge sehr gering. Der Zweck eines Balkonkraftwerks ist das Erzeugen von Strom für den Eigenbedarf.
PV-Anlage oder Balkonkraftwerk: mein Tipp

Wenn du Balkonkraftwerk vs. PV-Anlage für dich abwägst, wirst du schnell zu einem deutlichen Ergebnis kommen. Hast du einen hohen Strombedarf, lohnt sich eine große, richtige PV-Anlage. Da sollte deine kleinste Option eine 5-kWp-PV-Anlage sein. Die passt gut zum Bedarf einer vierköpfigen Familie. Aber je größer der Strombedarf ist, desto größer sollte auch die PV-Anlage sein.

Hast du jedoch keine besonders großen Stromverbraucher und willst in kleinem Umfang in die Solarstromproduktion hineinschnuppern, ist ein Balkonkraftwerk genau das Richtige. 

Wenn du schon eine PV-Anlage für dein eigenes Haus hast, vielleicht auch Garten und Balkon, kannst du das kleine und günstige Balkonkraftwerk auch zum Zurüsten nutzen. Stell es auf deinen Balkon, aufs Carport oder als kleine Solaranlage in den Garten. So steigerst du deinen Solarertrag nochmals ganz unkompliziert. Nutze die e Möglichkeiten, die dir dein Haus und Garten bieten!

Gina Doormann, Fachredakteurin für Erneuerbare Energien.

Privat: Energetische Optimierung des hundert Jahre alten Eigenheims als Dauerprojekt.

gina_doorman.png

FAQ

Warum lohnt sich ein Balkonkraftwerk nicht?
Ein Balkonkraftwerk wird aus guten Gründen auch Mini-PV-Anlage genannt. Denn der Stromertrag ist sehr gering, sodass es sich nicht für jeden Haushalt lohnt.
Was ist besser, Balkonkraftwerk oder PV-Anlage?
Das hängt davon ab, wie die eigenen Vorstellungen und der eigene Bedarf sind. Es hängt zum einen von dem Budget ab, das du investieren kannst oder willst. Zum anderen ist wichtig, wie hoch der Strombedarf ist.
Was ist der Unterschied zwischen PV-Anlage und Balkonkraftwerk?
Balkonkraftwerk vs. Photovoltaik: Balkonkraftwerke sind quasi eine Mini-Version der Dach-PV-Anlage. Sowohl beim Platzbedarf als auch in puncto Ertrag. Außerdem gibt es für den Stromüberschuss, anders als bei der großen PV-Anlage, keine Einspeisevergütung.

*Partnerprogramm

Gina Doormann
Gina Doormann ist Fachredakteurin für Erneuerbare Energien und PR-Managerin bei DAA.